Kontra Zirkus - Für eine Tierische Revolution

Wilde Tiere zu sehen kann durchaus ein spannendes Erlebnis und mitunter sogar gefährlich sein, wenn sie in freier Wildbahn beobachet werden.
In Zirkussen , welche mit Wildtieren "arbeiten", um sie als Hauptattraktion oder als Kulisse für Zirkusdompteure vorzuführen, kann es mitunter auch spannend sein. Jedoch wird dabei all zu oft vergessen, dass die Tiere diese Kunststückchen nicht freiwillig ausführen und dass sie mitunter unter untierischen Methoden dazu gezwungen werden, durch brennende Reifen zu springen, auf den Hinterpfoten wie ein Mensch zu gehen oder andere unnatürliche Verhaltensweisen zu präsentieren. Freie Tiger zum Beispiel meiden das Feuer normalerweise oder sind Einzelgänger. Im Zirkus dagegen wird es ihnen an- bzw. aberzogen, wobei die Methoden dafür oft mehr als umstritten sind. Dass es auch zu Vorfällen kommen kann, wenn mit wilden Tieren gearbeitet wird, bleibt dabei nicht aus, worüber auch die unbeteiligte Öffentlichkeit informiert wird. Denn die Presse berichtet "gut" über solche Fälle und auch darüber, wer bei solchen "Tragödien" das Opfer und wer Täter ist. Wie das Beispiel einer Tigervorführung im Hamburger Zoo Hagenbeck zeigt (http://talk.excite.de/tigerangriff-beim-zirkusdinner-N7118.html), wird schnell klar, wer betrauert und wer verurteilt wird. So zeigt sich durch solche "Unfälle" aber nur, dass es sich bei Tigern noch immer um wilde Tiere handelt (auch wenn sie nie in freier Wildbahn geboren wurden) und dass sie nichts im Zoo oder Zirkus zu suchen haben. Schlimm genug, dass sie ihr Leben in erbärmlichen und viel zu kleinen Boxen (ca. 4 Quadratmeter) verbringen müssen, was nichts mit einer artgerechten Haltung zu tun hat und auch nicht gewährleistet werden kann, wenn man bedenkt, dass wilde Tiger wie auch Elefanten mehrere Kilometer pro Tag für die Jagd oder der Suche nach Futterplätzen zurücklegen.

Auch wenn Zirkusse mitunter behaupten, sie würden sich "liebevoll" um die Tiere kümmern und sie nicht misshandeln, heißt das noch lange nicht, dass es sich dabei nicht ebenfalls um Tierquälerei handelt. Denn eingesperrt sind und bleiben sie dennoch.
Der pädagogische Charakter von Zirkussen muss ebenfalls hinterfragt werden. Denn die Darbietungen wilder Tiere erzeugen beim Besucher ein verfälschtes Bild von Verhaltensweisen der dort präsentierten Tiere. Dadurch wird nicht etwa gezeigt, welche Wichtigkeit die Tiere für das Ökosystem Welt haben, sondern es wird ledigliche vermittelt, wie der Mensch das Ökosystem Welt domestiziert hat. Das Tier hat im Zirkus einzig die Aufgabe, dem Dompteuer oder dem Artisten eine größere Geltung zu verschaffen (wie der Stier im Stierkampf), was darauf abzielt, dass sich der Mensch über die wilde Seele des Tieres gestellt hat und somit als Bezwinger der (für den Menschen sonst lebensfeindlichen) Natur gilt. Es ist ziemlich primitiv, sich aufgrund der Unterdrückung von unschuldigen Lebenwesen als die überlegene Gattung zu präsentieren oder sich aufgrund dessen überhaupt seiner Existenz bewusst zu werden, weil der Mensch (zumindest die Mehrzahl der Menschen) seine eigene Rolle erst durch die Gegenüberstellung der Dualität Mensch-Natur begreift. Zum Leidwesen der Tiere! Zirkusse, in denen Wildtiere präsentiert werden, haben nichts mit einer Vorführungen der Natürlichkeit zu tun, sondern präsentieren lediglich den Menschen als die "überlegene" Gattung. Die Natur bzw. das Abbild dessen, was dabei vermittelt werden soll, verkommt dadurch zu einem fremden Erscheinung und trennt die beiden Lager (Mensch-Natur) voneinander, als dass sie durch Zirkusdarbietungen zusammengeführt werden. Natur im Sinne von Attraktion (wie im Falle von Zirkussen oder Zoos) hat daher nichts mit Erleben im natürlichen Sinne zu tun, weil es eine einseitige Erfahrung bleibt. Zirkus- bzw. Zootiere können in der Regel nicht begriffen werden; das heißt, sie können nicht angefasst, geschmeckt oder anderweitig erfühlt werden, was für ein intensives Erleben notwendig ist. Ganz zu schweigen von der schon erwöhnten Präsentation unnatürlicher Verhaltensweisen nach dem oft präferierten Kindschenschema, wodurch die Gefahr, welche von wilden Tieren ausgeht, kategorisch ausgeblendet wird. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Zeugen frei werdender wilder Natur einen Schock erleiden.
Aber gerade die Besucher von Zirkussen mit Wildtiervorstellungen sind es, die derartige entfremdete Bilder weitertragen und fördern. Und sie sind es auch, die Schuld daran sind, dass Tiere weiterhin gegen ihren Willen und unter untierischsten Bedingungen in Gefangeschaft leben müssen, dass wilde Habitate zerstört werden und der Lebensraum wilder Tiere weiter schrumpft. Denn wozu soll man denn in die weite und gefährliche Natur fahren, um Tiere zu beobachten, wenn man sie im Zoo oder dem Zirkus sehen kann?!
MENSCH, WACH ENDLICH AUF!!!